1.3.3.1 Überblick über Hörbehinderungen
| Hörschädigungen |
| Gehörlosigkeit |
Schwerhörigkeit |
| |
Schallleitungsschwerhörigkeit: ungefähr
gleichmäßige Herabsetzung der Hörfähigkeit
in allen Frequenzbereichen.
Schallempfindungsschwerhörigkeit: Herabsetzung der Hörfähigkeit
vor allem in den höheren Frequenzbereichen, zudem qualitative
Verzerrungen |
| Volltaubheit |
Resthörigkeit |
hochgradige Schwerhörigkeit |
mindergradige Schwerhörigkeit |
| keine auditive Wahrehmung (selten!)
Hörverlust 120dB und mehr |
Wahrnehmung einzelner Geräusche/Klänge
bestimmter Stärke und Frequenz, jedoch sprachtaub
Hörverlust 90dB und mehr im Frequenzbereich der Sprache |
Wahrnehmung vager Sprachlaute,
jdeoch auf visuelle Sprachhilfen angewiesen
Hörverlust 60-80dB
Hörweite bis 2m |
Spracherwerb erfolgt mehr oder weniger beeinträchtigt
über das Ohr
Hörverlust 30-60dB
Hörweite 2-5m |
Geburtertaubte
Frühertaubte |
im Sprachbesitz Ertaubte (~ 6j und
älter) |
|
| Gehörlosenbildung |
Ertaubtenbildung |
Schwerhörigkeitsbildung |
1.3.4 Unterteilung der Gehörlosigkeit
Das Wort Gehörlosigkeit umfasst drei verschiedene Gruppen von Personen
-
Taubgeborene
-
Schwerhörige
-
Spätertaubte
Ad a) Von Taubgeborenen spricht man, wenn die
betroffene Person schon ohne jegliche Hörerfahrung geboren wurde.
Diese Person hat keinerlei Vorstellung von Klang oder Lautstärke.
Sie wird es schwer haben, eine Lautsprache zu erlernen, da sie
über keinerlei Möglichkeit von Eigenkontrolle und Artikulationserfahrung
verfügt.
Ad b) Die Gruppe der Schwerhörigen: Die Grenzen
zwischen Gehörlosigkeit und Schwerhörigkeit sind oft fließend
und niemals trennbar. Viele tragen ein Hörgerät, das ihnen ermöglicht,
Fragmente von Sprache und Geräuschen wahrzunehmen.
Ad c) Spätertaubte Personen sind Leute, die
nach dem 3. Lebensjahr ertaubt sind. Das bedeutet, dass sie
bereits Höreindrücke gesammelt haben und schon mit dem Erwerb
einer Lautsprache begonnen haben. Mit der Zeit gehen Sprachmelodie
und Lautstärkengefühl verloren, aber es ist bereits ein großer
aktiver Sprachwortschatz vorhanden
Zu der Gruppe der Spätertaubten zählt man auch erwachsene
Personen, die von einem Hörsturz betroffen sind. Ein Hörsturz tritt
ein bei
-
allen Arten von Stressfaktoren
-
Wissenschaftler haben auch festgestellt, dass
erhöhte Cholesterin-Werte im Blut ebenfalls zu plötzlicher Taubheit
führen können.
Wenn jemand im Erwachsenenalter ertaubt, wird
heutzutage versucht, Erfolge mit einem CI- Implantat zu erzielen.
Spätertaubte können meist viel schlechter Lippenlesen, da sie dieses
nie trainiert haben und auch die Gebärdensprache beherrschen viele
nicht oder sie sind zu mindestens erst nach der Lautsprache als
Muttersprache damit konfrontiert worden. Sie sind meist von großer
Isolation bedroht, da ihnen eine Dazugehörigkeit fehlt. In der hörenden
Umwelt verändert sich alles, in der Gehörlosengemeinschaft fühlen
sie sich aber –meist aufgrund der fehlenden Gebärdenspachkompetenz-
auch nicht zu Hause.
Was alle drei Gruppen gemeinsam haben, ist ein wichtiger Faktor:
Gehörlosigkeit ist keine "sichtbare" Behinderung. Dies
ist wichtig, sich stets in Erinnerung zu behalten. Denn oftmals
entstehen Missverständnisse und Schwierigkeiten daraus, dass jemand
nicht merkt oder bedenkt, dass sein momentaner hörbeeinträchtigter
Gesprächspartner keine Antwort geben kann, da er ihm den Rücken
zukehrt und dieser nicht von den Lippen ablesen kann.
1.4 Wie erkennt man den Hörschaden eines Kindes?
Sollte das Kind eine Hörbehinderung haben, wird sie die Entwicklung
des Kindes auf jeden Fall beeinflussen. Der Hörsinn eines Kindes
wird schon beim Embryo entwickelt und das Kind lauscht ab seiner
Geburt seiner Stimme, spielt mit den Lauten und versucht andere
nachzuahmen. Ab der 6 –8 Lebenswoche fängt das Baby zu Lallen an.
Das Kind beginnt sich für fremde Laute zu interessieren und mit
Brabbeln zu „beantworten“. Sollte das Lallen nach einiger Zeit aufhören,
kann es das erste Anzeichen für eine Hörbehinderung des Kindes sein.
Mit zunehmenden Alter wird das Kind immer weniger stimmliche Äußerungen
von sich geben, das Kind wird inaktiv oder neigt zu Wutanfällen.
Hat das Brabbeln aufgehört und gibt das Kind unkontrollierte Lautausbrüche
von sich, sind dies weitere Hinweise einer Hörbehinderung. Besteht
der Verdacht einer Hörbeeinträchtigung, sollte sofort ein Arzt und
eine unabhängige Beratungsstelle aufgesucht werden. Untersuchungen
sind zu dem Schluss gekommen, dass hörgeschädigte Kinder in der
sozialen Entwicklung gehemmt werden, wenn sie nicht frühzeitig durch
andere Reize stimuliert werden.
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